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Der Reisevertrag - Vertragsschluss

Der Reisevertrag kommt zwischen Kunden und Reiseveranstalter direkt zustande. Der Kunde kann seine Reiseanmeldung mündlich, telefonisch, schriftlich oder per Email zusenden. Der Reiseveranstalter bestätigt darauf hin die Anmeldung mit einer Rechnung und / oder Buchungsbestätigung.

Die zugesandte Buchungsbestätigung ist entweder die vertragliche Annahmeerklärung des Reiseveranstalters oder eine Information an den Kunden über die Annahme der Anmeldung, die formlos erfolgte (Näheres ergibt sich jeweils aus den AGB des Reiseveranstalters).

Mit dem Reisebüro wird seitens des Kunden zwar auch ein Vertrag geschlossen, dieser stellt jedoch nur einen Geschäftsbesorgungsvertrag dar. Sämtliche Ansprüche aufgrund der Reise muss der Reisende daher gegen den Reiseveranstalter stellen (bis auf diejenigen, die sich aufgrund des Luftverkehrsrechtes nur gegen die Airline richten, z.B. Entschädigung nach EU-VO Nr 261/04).

Bei Online-Angeboten kann der Reisende oft nur schwer erkennen, ob er es mit einem Reiseveranstalter oder Reisevermittler zu tun hat.

Die Rechtsprechung beurteilt das Vertragsverhältnis pragmatisch aus der Sicht des Durchschnittsverbrauchers heraus und nach dem Gesamteindruck der Website, die insofern auch einen „Prospekt“ des Reiseveranstalters darstellt (z.B. BGH NJW 1992, 3158 Ferienhaus III; BGH NJW 2000, 1639 Center-Parcs-Urteil).

Ist die Homepage nicht eindeutig ausgestaltet, so ist es der Rechtsprechung zufolge möglich, dass ein Reisebüro zum Reiseveranstalter wird, wenn es fremde Leistungen als eigene in eigenem Namen zu einem Gesamtpreis dem Kunden in Rechnung stellt und den Reisepreis vereinnahmt (EuGH Urteil „Club Tour“, RRa 2002, 119).